{"id":3168,"date":"2023-02-20T16:45:17","date_gmt":"2023-02-20T16:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/eip-backup.swiss-tomato.ch\/2023\/02\/20\/st-gallen-business-review-investieren-in-die-anlageklasse-infrastruktur\/"},"modified":"2024-03-18T15:56:47","modified_gmt":"2024-03-18T15:56:47","slug":"st-gallen-business-review-investieren-in-die-anlageklasse-infrastruktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eip-backup.swiss-tomato.ch\/de\/st-gallen-business-review-investieren-in-die-anlageklasse-infrastruktur\/","title":{"rendered":"St. Gallen Business Review: Investieren in die Anlageklasse Infrastruktur"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/eip-backup.swiss-tomato.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Stausee-scaled-e1625042114354.jpg\" alt=\"St. Gallen Business Review: Investieren in die Anlageklasse Infrastruktur\" \/><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.stgallenbusinessreview.com\/investieren-in-die-anlageklasse-infrastruktur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Originalver\u00f6ffentlichung finden Sie hier.<\/a><\/p>\n<p><strong>Im zur\u00fcckliegenden Jahr waren die Energiem\u00e4rkte vor viele unbekannte Herausforderungen gestellt. Sie befassen sich bei Energy Infrastructure Partners bereits seit 2014 mit kritischer Infrastruktur. Welche Marktverh\u00e4ltnisse haben in Ihren Augen zur aktuellen Lage gef\u00fchrt?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage ist spannend. Viele Leute denken, der Grund f\u00fcr die Probleme an den Energiem\u00e4rkten sei der Ukrainekrieg. Wir glauben aber, dass eine Erkl\u00e4rung nicht so einfach ist und die Ursachen viel tiefer liegen. Wir sehen den Ukrainekrieg weniger als Ursache, sondern mehr als Ausl\u00f6ser. Der Ukrainekrieg selbst begann zu einer Zeit, in welcher die Situation an den Energiem\u00e4rkten bereits sehr angespannt war. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Zum damaligen Zeitpunkt war die Atomflotte Frankreichs etwa zur H\u00e4lfte in Revision, welche zudem l\u00e4nger als urspr\u00fcnglich geplant andauerte. Dass diese Revision dann mit dem Ukrainekrieg koinzidierte, war nat\u00fcrlich sehr ungl\u00fccklich, zumal durch die Revision der Kernkraftwerke bereits weniger Strom ins europ\u00e4ische Energienetz eingespeist wurde und nun auch noch der Gasfluss von Russland nach Europa gedrosselt wurde. Darauf reagierte der Markt sehr empfindlich. Dass in der Vergangenheit beim Aus- und Umbau des Energiesystem das Augenmerk vor allem auf der Dekarbonisierung und weniger auf der Versorgungssicherheit lag, trug nat\u00fcrlich auch sein \u00dcbriges dazu bei.<\/p>\n<p><strong>Sehr spannender Blickwinkel! Mittlerweile sind einige der von Ihnen angesprochenen Probleme beispielsweise in Frankreich teilweise behoben worden. Allerdings kann nicht beobachtet werden, dass sich die Energiepreise wieder weitestgehend normalisieren. Woran liegt das?<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell sind immer noch sieben Atomkraftwerke in Frankreich vom Netz getrennt. Das ist ein Faktor. Ein weiterer Faktor ist, dass ausbleibendes russisches Gas durch Substitute ersetzt werden muss. Jedes Substitut f\u00fcr russisches Gas ist teurer als das russische Gas selbst. Da das Gas dann verstromt wird, wird der Strom insgesamt entsprechend teurer. Dies liegt daran, dass auf dem Strommarkt ein sogenanntes Merit Order Modell verfolgt wird. Hierbei werden die Kraftwerksleistungen nach steigenden Grenzkosten geordnet. Die Preissetzung wird dann durch das Kraftwerk mit den h\u00f6chsten Grenzkosten bestimmt, das gerade noch ben\u00f6tigt wird, um die Marktnachfrage zu decken. Durch die generelle Energieknappheit sind in Europa normalerweise Gaskraftwerke diejenigen Kraftwerke, die gerade noch ben\u00f6tigt werden, um die Stromnachfrage zu decken. Damit agieren sie preissetzend, auch f\u00fcr alle anderen Energieformen.<\/p>\n<p>Wenn also gefragt wird, wie lange es noch geht, bis wir wieder zur\u00fcck zu den Strompreisen von vor der Krise kommen, lautet die Antwort leider: so schnell wird das nicht passieren. Solange jedes Substitut f\u00fcr russisches Gas teurer ist als das russische Gas selbst, bleiben die Strompreise hoch.<\/p>\n<p><strong>Bestimmte Substitute f\u00fcr russisches Gas werden vermutlich relativ schnell zur Verf\u00fcgung stehen. Der Versuch m\u00f6glichst schnell Ersatz f\u00fcr das ausbleibende Gas aus Russland zu finden, k\u00f6nnte wom\u00f6glich auch Investitionen in erneuerbare Energietr\u00e4ger beeintr\u00e4chtigen. Teilen Sie diese Bef\u00fcrchtung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube ebenfalls, dass entsprechende Substitute schnell verf\u00fcgbar sein werden, wohingegen Investitionen in nachhaltige Energietr\u00e4ger, die wom\u00f6glich langfristig sogar weitaus g\u00fcnstiger sein k\u00f6nnen, nicht so schnell umgesetzt werden k\u00f6nnen. Der Bau von LNG-Terminals in Deutschland beweist genau das. Derartige Bauten, die heute nicht einmal 10 Monaten ben\u00f6tigen, w\u00e4ren vor der aktuellen Krise vermutlich nicht einmal in 10 Jahren fertiggestellt worden. Der Ausbau von erneuerbaren Energien hingegen ist durch langwierige Bewilligungsverfahren weiterhin sehr zeitintensiv, obwohl die Erneuerbaren gegen\u00fcber konventionellen Energieerzeugern recht schnell zu bauen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Durch einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien nahe am Verbraucher k\u00f6nnen wir nicht nur unseren CO2 Ausstoss senken, sondern aus geopolitischer Perspektive auch unsere Versorgungssicherheit erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><strong>Auf den Punkt Nachhaltigkeit werden wir noch zu sprechen kommen. Um aber noch kurz beim Thema Versorgungssicherheit und den aktuellen Marktverh\u00e4ltnissen zu bleiben, sehen Sie eine Perspektive daf\u00fcr, Planungs- und Genehmigungsverfahren f\u00fcr nachhaltige Energietr\u00e4ger \u00e4hnlich stark zu vereinfachen und zu beschleunigen wie im Fall der LNG-Terminals?<\/strong><\/p>\n<p>Zumindest das Bestreben von Seiten der Politik, genau dies zu tun, k\u00f6nnen wir in vielen L\u00e4ndern beobachten. Die Schweiz ist hierf\u00fcr ein gutes Beispiel. Aber auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wie beispielsweise in Frankreich stellen wir \u00c4hnliches fest. Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde behaupten, dass das aktuelle Umfeld auch als ein g\u00fcnstiges Umfeld f\u00fcr den Umbau unseres Energiesystems begriffen werden muss. Hierbei geht es auch um Fragen der Dezentralisierung unseres Netzes und um die Umstrukturierung der bisher unflexibel angelegten, mehrheitlich f\u00fcr zentrale Grossanlagen gebauten Stromnetze. Schliesslich geht es nicht nur um die Erzeugung von Energie, sondern auch um die sinnvolle Verteilung ebendieser. Das alles f\u00fchrt zu einem enormen Investitionsbedarf. Wie gesagt, zum Gl\u00fcck sehen wir in dieser Hinsicht den entsprechenden politischen Willen.<\/p>\n<p><strong>Sehr spannend! Kommen wir zu einem anderen Thema. Mit Ihrem Unternehmen Energy Infrastructure Partners war Ihr urspr\u00fcngliches Ziel, erneuerbare Energien auch investierbar zu machen. Mittlerweile haben Sie bereits viele Investitionen in diesem Bereich gemacht. Was ist Ihr n\u00e4chstes Ziel?<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang stand, dass wir Energieinfrastruktur f\u00fcr die Schweizer Bev\u00f6lkerung \u00fcber Versicherungen und Pensionskassen investierbar machen wollten. Seither sind wir immer weiter von innen nach aussen gewachsen. Schon w\u00e4hrend unserer Anf\u00e4nge wurden wir gefragt, warum wir nur in Energieinfrastruktur investieren. F\u00fcr uns war dabei immer klar: Energieinfrastruktur ist f\u00fcr uns ein defensiver Sektor in der Anlageklasse Infrastruktur, der zudem eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Daher wollen wir uns genau hierauf fokussieren. Durch diesen Fokus k\u00f6nnen wir nur \u00fcber die Erweiterung unseres geographischen Einzugsgebiets wachsen. Genau das haben wir beispielsweise mit einem nur f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen aufgesetzten Fonds in die Tat umgesetzt. Momentan haben wir neben unserem Standort in Z\u00fcrich auch einen Standort in Luxemburg. Aktuell wird ein B\u00fcro in Deutschland aufgebaut. Danach wollen wir ausserhalb von Europa mit Standorten in den USA und Asien wachsen.<\/p>\n<p><strong>Eine Region, die Sie nicht genannt haben, ist Lateinamerika. Vor allem dort sind enorme Infrastrukturinvestitionen n\u00f6tig. Wie kommt es, das Lateinamerika bei Ihnen keine Priorit\u00e4t geniesst?<\/strong><\/p>\n<p>Wie Sie schon richtig gesagt haben, geniesst Lateinamerika bei uns keine Priorit\u00e4t. Wir haben bei der Auswahl der Regionen, in denen wir aktuell investieren wollen, einen sehr strikten Filter angelegt. Wir wollen uns prim\u00e4r dort engagieren, wo wir langfristig stabile Rahmenbedingungen erwarten. Kriterien bei der Auswahl sind beispielsweise ein Investment Grade Rating der entsprechenden L\u00e4nder und ein MSCI ESG Government Rating von mindestens BBB zum Zeitpunkt der Investition. Zudem m\u00fcssen die L\u00e4nder Mitglieder der OECD sein. Durch diese drei Filter scheiden sehr viele Staaten aus. In Lateinamerika bleibt damit nur Chile \u00fcbrig. Chile ist aber nicht unser Fokus.<\/p>\n<p>Vielmehr wollen wir uns ausserhalb von Europa auf L\u00e4nder wie S\u00fcdkorea, Japan, Australien oder Neuseeland konzentrieren. In solchen L\u00e4ndern finden wir eine angemessen hohe Rechtssicherheit wieder. Da wir einen langfristigen Horizont haben, ist uns das wie gesagt besonders wichtig. Auch in den USA finden wir ein solches Umfeld vor. Zudem wurde erst k\u00fcrzlich der <a href=\"https:\/\/www.cnn.com\/2021\/07\/28\/politics\/infrastructure-bill-explained\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infrastructure Investment and Jobs Act<\/a> verabschiedet, der enorme Investitionen auch in die Energieinfrastruktur vorsieht. In einem solchen Markt wollen wir umso pr\u00e4senter sein.<\/p>\n<p><strong>Im Private Equity betr\u00e4gt der gew\u00f6hnliche Anlagehorizont in etwa sieben Jahren. Ist es mit Investitionen in Energieinfrastruktur \u00fcberhaupt m\u00f6glich, einen solchen Anlagehorizont zu realisieren, sprich das Investment nach sieben Jahren wieder zu verkaufen? <\/strong><\/p>\n<p>Sie sprechen einen interessanten Punkt an. Wir wollen n\u00e4mlich nicht prim\u00e4r Kapitalgewinne erzielen, sondern \u00fcber lange Frist die Cash Flows ernten. Als wir mit Energy Infrastructure Partners begannen, haben wir deshalb immer gesagt, dass die typischen Anlagehorizonte aus dem Private Equity hierf\u00fcr viel zu kurz sind. Selbst bei Solaranlagen sprechen wir von einem Anlagehorizont zwischen 25 und 35 Jahren. Bei Wasserkraft liegt dieser gar zwischen 40 und 80 Jahren.<\/p>\n<p>Vielen Energieversorgern ist im Laufe der letzten Jahre zudem klar geworden, dass es unterschiedliche Arten von Finanzpartnern mit unterschiedlichen Anlagehorizonten gibt. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir sehr, sehr langfristig investieren wollen. Deshalb haben wir zum einen Vehikel aufgesetzt, die einen offenen Anlagehorizont haben, sogenannte Open End Strukturen. Zum anderen haben wir auch sogenannte Closed End Strukturen, also Anlagestrukturen mit einem definierten Anlagehorizont, in unserem Fall von meist \u00fcber 25 Jahren, aufgesetzt. Mit derartigen Strukturen haben wir beim Sourcing von Anlagem\u00f6glichkeiten grosse Vorteile. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es um die Zusammenarbeit mit der \u00f6ffentlichen Hand geht. Aber auch f\u00fcr die industriellen Partner sind wir ungleich attraktiver, weil wir eben sehr langfristig denken.<\/p>\n<p><strong>Wenn man nun von Pensionskassen als Limited Partners in Ihren Fonds absieht und den Blick in Richtung internationaler Investoren richtet, die f\u00fcr gew\u00f6hnlich einen Exit nicht erst nach 25 Jahren erwarten, konnten Sie bei diesen Geldgebern in den letzten Jahren einen \u00e4hnlichen Shift hin zu l\u00e4ngeren Investmenthorizonten ausmachen?<\/strong><\/p>\n<p>Was wir in der Tat sehen, ist ein wachsendes Interesse an langfristigen Anlagevehikeln, welche die Cash Flows \u00fcber Jahre ernten. Neben Pensionskassen haben insbesondere Versicherungen oder Staatsfonds ein grosses Interesse an diesen langen Anlagehorizonten. Aber auch Family Offices zeigen ein wachsendes Interesse. Wir haben ausserdem festgestellt, dass Limited Partners, die in Produkte mit einer k\u00fcrzeren Laufzeit von beispielsweise zehn Jahren investieren, nach dem Cash Out das Geld h\u00e4ufig wieder in die gleiche Anlageklasse reinvestieren. Eine Investition ist aber immer mit Kosten beispielsweise f\u00fcr Anw\u00e4lte oder Berater verbunden. Somit hat sich bei vielen die Erkenntnis eingestellt, \u00fcber l\u00e4ngere Anlagehorizonte zu investieren und dadurch Kosten zu sparen.<\/p>\n<p><strong>Der Begriff ist zwar negativ konnotiert, aber somit w\u00e4re Energy Infrastructure Partners ja vergleichbar mit einem Energiekonglomerat, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sprechen lieber von einem ausbalancierten, diversifizierenden Portfolio. Aber der Hauptwert f\u00fcr uns liegt in den laufenden Cashflows.<\/p>\n<p><strong>Sie treten als privater Investor in oftmals auch kritische Infrastruktur auf. In dieser Hinsicht besteht in der Regel ein hinreichendes \u00f6ffentliches Interesse und ein grosser Teil der Infrastruktur ist bereits stark reguliert. Sehen Sie einen Konflikt zwischen Aspekten der Marktfreiheit und dem Interesse der \u00d6ffentlichkeit?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin der Meinung, dass private Tr\u00e4ger und die \u00f6ffentliche Hand letztendlich Hand in Hand arbeiten sollten. Darin liegt die L\u00f6sung. Die Privatwirtschaft ist meistens sehr gut darin, Kapital zu akkumulieren und dieses dann an die richtigen Stellen zu bewegen. Der gr\u00f6sste Beitrag, den die \u00f6ffentliche Hand leisten kann, ist es, f\u00fcr langfristig stabile Rahmenbedingungen zu sorgen, damit Unsicherheiten von Seiten der Investoren vorgebeugt werden k\u00f6nnen. Stabile Rahmenbedingungen helfen dabei, die Volatilit\u00e4t, sprich das Risiko, zu senken, womit auch die Risikopr\u00e4mien sinken. Schlussendlich sinken damit dann auch die Kapitalkosten, was Infrastrukturinvestitionen insgesamt verg\u00fcnstigt. Diese Feststellung gilt sowohl f\u00fcr die Eigenkapital- als auch f\u00fcr die Fremdkapitalseite. Unterm Strich ist das alles auch f\u00fcr die Konsumenten von Vorteil, da dadurch die Infrastruktur effizienter und g\u00fcnstiger betrieben werden kann. Das wiederrum sollte eigentlich auch im Interesse der Politiker liegen.<\/p>\n<p><strong>In der vergangenen Ausgabe zum Thema Aspiration hatten wir auch mit Mirjam Staub-Bisang, der Country Managerin von BlackRock in der Schweiz gesprochen. Eine interessante Aussage von ihr war, dass es auch wichtig sei, in initial noch nicht nachhaltige Assets zu investieren, um diese dann schrittweise nachhaltig zu gestalten. Manche dreckigen Assets verschwinden ja nicht aus der Welt nur weil immer mehr Investoren klare Nachhaltigkeitsrichtlinien verfolgen. Stellt die Investition in bisher umweltunfreundlich Assets zum Zweck der Transformierung auch eines Ihrer Vorgehen dar?<\/strong><\/p>\n<p>Diese M\u00f6glichkeiten sehen wir durchaus, wobei man dazu sagen muss, dass wir nie selbst direkt in Kohle oder \u00d6l investieren w\u00fcrden. Das ist auch eine Risiko\u00fcberlegung. Was ich aber schon sagen w\u00fcrde, ist, dass gerade Gas in einer \u00dcbergangsphase eine Daseinsberechtigung hat. Gegenw\u00e4rtig k\u00f6nnten wir allein mit erneuerbaren Energien das Energiesystem nicht stabil genug halten. In das Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt so viel Strom eingespeist werden, wie gleichzeitig entnommen wird. Ist dies nicht der Fall ist, dann wird das ganze Stromnetz instabil und gef\u00e4hrdet die Versorgungssicherheit. Allein mit erneuerbaren Energien l\u00e4sst sich aufgrund der Volatilit\u00e4t von Wind und Sonnenschein keine sichere Grundlast erzeugen. Um die Versorgungslage zu stabilisieren, ben\u00f6tigen wir deshalb zum Beispiel Pumpspeicher- und Gaskraftwerke, die sich sehr schnell ans Netz nehmen lassen, um etwaige Flauten der Erneuerbaren zu Spitzenlastzeiten auszugleichen. Deshalb haben Gaskraftwerke aktuell durchaus auch ihre Daseinsberechtigung. Interessanterweise liesse sich auch die Gastransportinfrastruktur f\u00fcr den Transport von Wasserstoff wiederverwenden. In diesem Bereich besteht also auch langfristig sehr viel Potential.<\/p>\n<p><strong>Nun ist aber auch nicht alle Gold was gl\u00e4nzt bzw. nicht alles gr\u00fcn was zun\u00e4chst gr\u00fcn erscheint. In Brasilien beispielsweise gibt es Staud\u00e4mme zur Erzeugung von Wasserkraft, die durch die Verrottung organischer Materialien am Grund der Stauseen enorme Mengen an Methan ausstossen, was rund 25-mal klimasch\u00e4dlicher ist als das Klimagas CO2. Forscher sch\u00e4tzen, dass der Klimaschaden solcher Staud\u00e4mme pro Kilowattstunde Strom bei dem bis zu 40-fachen einer von einem Kohlkraftwerk produzierten Kilowattstunde liegt. Wie werden solche, teilweise nicht offensichtliche Klimasch\u00e4den, behandelt? <\/strong><\/p>\n<p>Bei dieser Frage kann ich nur f\u00fcr uns sprechen. Das Thema ESG hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Also sowohl das Thema Environment als auch die Themen Social und Governance. Wir haben sogar ein separates Investment Committee, das Investitionen zun\u00e4chst nur auf diese Kriterien \u00fcberpr\u00fcft. Erst wenn das Investment von diesem Committee genehmigt wurde, wird es an das regul\u00e4re Investment Committee weitergeleitet. Bedenken, wie von Ihnen angesprochen, w\u00fcrden nat\u00fcrlich genau \u00fcberpr\u00fcft werden. Ich bin kein Biologe, aber ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass derartige Probleme auch stark damit zusammenh\u00e4ngen, wo der entsprechende Staudamm \u00fcberhaupt liegt und wie viel organisches Material am Grund des Sees lagert.<\/p>\n<p><strong>Sie haben zuletzt in Repsol Renovables, dem nachhaltigen Tochterunternehmen des \u00d6lkonzerns Repsol investiert. Auch andere fossile Energiehersteller habe in den vergangenen Jahren Tochterunternehmen gegr\u00fcndet, die sich auf eine nachhaltige Energiegewinnung konzentrieren. Sollten zuk\u00fcnftig mehr dieser Konzerne Partnerschaften mit Investoren eingehen, die bereits Erfahrungen in diesem Bereich haben?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Industriepartner ist es spannend, mit Sektorspezialisten wie uns zusammenzuarbeiten. Durch einen Verkauf von Minderheiten steigern die Unternehmen ihre Liquidit\u00e4t, ohne die Kontrolle abzugeben. Am Ende haben sie jedoch die Auswahl, f\u00fcr welchen Partner sie sich entscheiden wollen. Da liegt es an uns zu \u00fcberzeugen. Dies k\u00f6nnen wir einerseits durch unsere Expertise im Bereich von nachhaltigen Energien und versorgungskritischer Energieinfrastruktur, andererseits durch unseren langen Zeithorizont von erw\u00e4hnten 25 bis 30 Jahren. Mit unserem Know-how helfen wir dann dabei, das Unternehmen auf l\u00e4ngere Sicht weiterzubringen.<\/p>\n<p><strong>Werden solche Partnerschaften zuk\u00fcnftig f\u00fcr Sie noch wichtiger werden?<\/strong><\/p>\n<p>Partnerschaften mit Industrieunternehmen, das ist in unserer DNA. Von Anfang an wollten wir mit Industriepartnern investieren. Dass wir das Thema, bevor es in aller Munde war, angefangen haben zu bearbeiten, hilft uns heute nat\u00fcrlich. F\u00fcr uns war diese Idee damals auch aus Risiko\u00fcberlegungen sinnvoll.<\/p>\n<p><strong>Man k\u00f6nnte denken, dass es momentan schwierig f\u00fcr Sie ist, neues Kapital f\u00fcr Investitionen zu erhalten, da Infrastrukturinvestments in den Portfolios von Asset Managern sehr hoch bewertet sind. Eine zu hohe Exposition in einem Markt wird bekanntlich gemieden, um Risiken zu minimieren. Sp\u00fcren Sie das aktuell?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eher so, dass andere Anlagekategorien korrigiert haben und Infrastruktur dadurch bei einigen Investoren \u00fcbergewichtet ist. Wir haben allerdings vom enormen Investitionsbedarf gesprochen. Zusammen mit anderen Faktoren wirkt sich das positiv auf die erwarteten Renditen aus und bietet Anreiz f\u00fcr Investoren, weiter in den Bereich zu investieren.<\/p>\n<p><strong>Liegt es vielleicht auch daran, dass institutionelle Investoren verst\u00e4rkt ESG-Kriterien beachten und deswegen gezielt in nachhaltige Energieinfrastrukturen investieren wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Mit Sicherheit, das ist ein Riesenthema. In der Schweiz, aber gerade auch in der EU mit der Taxonomie ist das sehr relevant. Man kann eigentlich kein Investmentvehikel mehr auflegen, ohne ESG-Faktoren zu beachten. Das ergibt aber auch aus betriebswirtschaftlicher Logik Sinn. Es werden schliesslich Risiken und Opportunit\u00e4ten betrachtet. Risiken m\u00f6chte ich m\u00f6glichst vermeiden und Opportunit\u00e4ten m\u00f6chte ich realisieren. Es ist also essenziell, Themen wie den Klimawandel, Niederschlagsmuster oder \u00e4hnliche Faktoren zu beachten. Auch f\u00fcr uns ist das ein Bestandteil im Investmentprozess, den wir genau betrachten.<\/p>\n<p><strong>Sie sind nicht nur Verwalter, sondern auch Betreiber von kritischer Infrastruktur. Zuletzt haben wir immer h\u00e4ufiger Cyber-Angriffe auf Infrastruktureinheiten gesehen. Wie wollen Sie zuk\u00fcnftig mit diesem Problem umgehen und welche Vorkehrungen treffen Sie?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Zeit in St. Gallen habe ich seinerzeit die Vertiefung Informationsmanagement belegt und habe somit eine hohe Affinit\u00e4t zu diesem Bereich. Vor allem in den letzten Jahren ist die Brisanz dieses Themas stark gestiegen. Seitdem Kraftwerke digitalisiert und ans Netz gebracht wurden, m\u00fcssen neue Massnahmen getroffen werden. Fr\u00fcher musste man physisch in eine Anlage gehen, um Schaden anzurichten. F\u00fcr uns bedeutet das konkret, noch h\u00e4ufigere Abfragen von Sicherheitssystemen zu machen und geeignete Massnahmen zu treffen, um uns vor solchen Cyberangriffen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Sie haben gerade angesprochen, dass man fr\u00fcher physisch in Anlagen gehen musste, um Schaden anzurichten. Die Ereignisse um die Besch\u00e4digungen an den Nord stream Pipelines deuten ebenfalls auf eine physische Sabotage hin. Werden Probleme, die man in der Vergangenheit bereits hatte, somit wieder aktuell?<\/strong><\/p>\n<p>Als privatwirtschaftliches Unternehmen versuchen wir alles, um den physischen Schutz der Infrastruktureinheiten zu gew\u00e4hrleisten. Wenn es jedoch um die territoriale Integrit\u00e4t geht, ist dies grunds\u00e4tzlich Aufgabe des Staates. Der Staat muss zudem sicherstellen, dass die Bev\u00f6lkerung und insbesondere die versorgungskritische Infrastruktur gesch\u00fctzt wird. Die Politik ist sich dieser Aufgabe sehr bewusst und \u00fcbernimmt sie auch. Wir versuchen dabei unser Risiko durch Diversifikation zu minimieren und erstellen Pl\u00e4ne, um im Worst Case-Szenario vorbereitet zu sein und den Schaden m\u00f6glichst gering zu halten. Ausserdem komme ich dabei auf die L\u00e4nder zur\u00fcck, in denen wir investieren. Diese erf\u00fcllen bereits hohe Sicherheitsstandards.<\/p>\n<p><strong>In der Theorie k\u00f6nnte angenommen werden, dass Investitionen in nordischen Gebieten durch die Gefahr vonseiten Russlands eine h\u00f6here Risikopr\u00e4mie bekommen m\u00fcssten. L\u00e4sst sich dies am Markt erkennen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein interessanter Gedanke. Bis jetzt ist dies noch nicht zu beobachten. Das liegt wahrscheinlich an der politischen Stabilit\u00e4t und der starken milit\u00e4rischen Verteidigungskraft dieser L\u00e4nder.<\/p>\n<p><strong>Abseits von den vielen Krisen, \u00fcber die wir gesprochen haben. Was w\u00fcrden Studierenden raten, die sich intensiver mit dem Thema Infrastrukturinvestments auseinandersetzen wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann nur empfehlen, viel zu lesen und Praktika zu machen. Ausserdem gibt es meiner Meinung nach zwei klare Gr\u00fcnde daf\u00fcr, sich f\u00fcr Infrastrukturinvestments zu interessieren. Einerseits kann man das Geld von Pensionskassen investieren und dazu beitragen, dass die Beg\u00fcnstigten eine bessere Rente haben. Andererseits kann man an einer Transformation teilnehmen, die unsere Gesellschaft weiterbringt. Insgesamt ist wohl kaum ein Bereich volkswirtschaftlich so relevant wie die Energieversorgung. Wir haben w\u00e4hrend Corona gesehen, wie stets versucht wurde, den Betrieb notwendiger Infrastruktur aufrecht zu erhalten, auch von der Politik.<\/p>\n<p><strong>Zum Abschluss: Was macht Ihnen pers\u00f6nlich in diesen Tagen Hoffnung?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist vor allem unser Team, mit welchem wir arbeiten. Wenn ich morgens ins Office komme, setzen sich da 90 Spezialisten tagt\u00e4glich hoch motiviert mit Themen rund um Investitionen in Energieinfrastruktur auseinander. Vor allem jeden Tag mit Mitarbeitern aus 26 L\u00e4ndern zusammenzuarbeiten, begeistert mich immer wieder aufs Neue. Das ist die eine Seite, die mich motiviert. Auf der anderen Seite motiviert es mich nat\u00fcrlich zu sehen, welchen Impact wir haben. Aktuell k\u00f6nnte unser Portfolio das \u00c4quivalent der H\u00e4lfte aller Schweizer Haushalte mit nachhaltigem Strom versorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das St. Gallen Business Review f\u00fchrte mit Dominik Bollier ein hochinteressantes Gespr\u00e4ch \u00fcber das Investieren in die Anlageklasse Infrastruktur.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":2927,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_gspb_post_css":"","content-type":"","footnotes":""},"categories":[70,41],"tags":[],"class_list":["post-3168","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-luxemburg","category-schweiz"],"acf":{"add_disclaimer":"yes","disclaimer":"Dieses Dokument stellt keine individuelle Anlageberatung dar und entbindet den Empf\u00e4nger nicht davon, eine eigene Beurteilung bez\u00fcglich einer Anlage vorzunehmen. 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